Seit Dezember 2024 befinden sich Kunsttherapeut:innen am Helios Klinikum Buch in Berlin, organisiert mit ver.di, im Arbeitskampf. Ende April streiken sie nun zum vierten Mal für bessere Arbeitsbedingungen. Der DFKGT solidarisiert sich mit den Streikforderungen und möchte zur Öffentlichkeitswirksamkeit beitragen. Einen Eindruck in den bisherigen Verlauf und die Bedingungen der kunsttherapeutischen Kolleg:innen geben eine Kollegin, die im DFKGT organisiert ist und Manuel Breuer (Kunsttherapeut sowie Schnittstelle zu ver.di), die am Helios Klinikum Buch arbeiten bzw. gearbeitet haben.
Im Juli 2025 geht der Streik nunmehr in die nächste Runde.
Die Vorsitzende des DFKGT Anne Utikal betont, wie wichtig das persönliche Engagement und das Sichtbarmachen von Missständen in der Bezahlung und in den Arbeitsbedingungen von angestellten Kunsttherapeut:innen ist: „In der Behandlung von psychisch und psychosomatisch erkrankten Patient:innen sind wir als Kunsttherapeut:innen in vielen Kliniken nicht mehr weg zu denken. Unsere Arbeit wird sowohl von den Patient:innen als auch Kolleg:innen als enorm wertvoll und wichtig erlebt. Diese Bedeutsamkeit muss sich jedoch auch durch eine adäquate Bezahlung sowie angemessene Arbeitsbedingungen abbilden.“
„Wir werden als Leiharbeiter:innen über eine externe Firma beschäftigt“, berichtet eine Kollegin, die als Kunsttherapeutin in der Kinder und Jugendpsychiatrie arbeitet und im DFKGT organisiert ist. „Als Kunsttherapeut:innen möchten wir eigentlich genau das, was die anderen Therapeut:innen (Ergo-, Physiotherapie, Logopädie, Musik- und Theatertherapie) auch wollen.“ Manuel Breuer, Kunsttherapeut am Klinikum Helios Buch, der eng mit ver.di zusammenarbeitet und den Streik koordiniert, berichtet: „Unsere Forderung ist die Anbindung an den Helios-Konzerntarifvertrag. Z.B. findet dieser bereits am Helios Standort in Zehlendorf Anwendung“.
„Die Kunsttherapeut:innen wurden – gemeinsam mit Ergo-, Logo-, Physio- und anderen Kreativtherapeut:innen – vor etwa zehn Jahren in die Helios Therapie Ost (HTO) ausgegliedert. Dadurch werden die Konzerntarifverträge umgangen, was für uns erhebliche Nachteile mit sich bringt: geringere Gehälter, keine Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld und eine fehlende Anbindung an die Teams. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) bedeutet das zum Beispiel, dass wir keine Supervision erhalten“, berichtet seine Kollegin. Sie sind ein externes Team in der KJP. Ohne Supervision müssen die Kolleg:innen ihre Entscheidungen gegenüber Leitung, Chefarzt und Oberärztinnen vertreten, was zusätzlichen Stress bedeutet. „Bei dem Streik im Augenblick geht es aber ausschließlich um die außerordentlich schlechte Bezahlung“, gibt sie zu bedenken.
Innerhalb weniger Jahre hat sich die Belegschaft aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen um 30% reduziert. In der Tochterfirma HTO sind aktuell 50 Therapeut:innen angestellt. In der Physiotherapie können Stellen inzwischen nicht mehr nachbesetzt werden. Dadurch entsteht hoher Druck auch bei den Kunsttherapeut:innen, Leistungen zu erbringen und die Patient:innen zu versorgen. Weiterhin besteht eine hohe Fluktuation im Bereich der Künstlerischen Therapien. In Übergangs- und Einarbeitungszeiten müssen die Kolleg:innen Leistungen ausgleichen, haben zusätzlichen Aufwand und es gibt viele Krankschreibungen, berichtet unsere Kollegin aus dem DFKGT.
„Als Kunsttherapeut bin ich in dieselbe Entgeltgruppe wie die Physio- und Ergotherapeuten eingruppiert. Vollzeit bedeutet 40 h, statt 38,5 h.“, beschreibt Breuer die aktuellen Rahmenbedingungen. „Im Gegensatz zum Konzerntarifvertrag werden wir deutlich schlechter bezahlt.“ Es gibt keine Jahres-Sonderzahlung und es wird nicht unterschieden mit welchen Patient:innengruppen gearbeitet wird. Im Konzerntarifvertrag gibt es z.B. in der Psychiatrie zusätzliche Entlohnung. „Als Kreativtherapeut:innen arbeiten wir fast ausschließlich mit solchen Patient:innen, die unter diese Kategorie fallen“, gibt Breuer zu bedenken.
Das Einstiegsgehalt beginnt mit 2760 € Brutto in Vollzeit und ist bei einer Unterfirma befristet. Anschließend rutschen Mitarbeiter:innen, erneut befristet, in die nächste Firma; wenn man bis hierhin durchgehalten hat, wird man evtl. entfristet. Oft werden die Verträge aber auch nicht verlängert und es werden erneut neue Kolleg:innen befristet eingestellt, vermutlich um Geld zu sparen und weil kleine Gruppen an Mitarbeiter:innen nicht streiken können. Weiterhin soll es Mitarbeitende mit Altverträgen geben, die in einem Zeitraum von 10 Jahren keine Gehaltserhöhung erhalten haben, was in einigen Entgeltgruppen einen Unterschied von bis zu 45% bedeutet. Dennoch ist ein Hochschulabschluss in Kunsttherapie (Diplom, Bachelor oder Master) Basis für die Einstellung und somit ein DFKGT entsprechender Standard.
Der DFKGT setzt sich als Berufsverband für ein offiziell anerkanntes Berufsbild „Kunsttherapeutin/ Kunsttherapeut“ ein. „Solange es keine gesetzliche Regelung unseres Berufs gibt, existiert für Arbeitgeber und Kliniken kein verbindlicher Rahmen für die Einstellung von Kunsttherapeut:innen. Berufspolitisches Engagement jeder einzelnen Person ist deshalb für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Kunsttherapeut:innen unabdingbar“ betont Anne Utikal und weist darauf hin, dass eine Mitgliedschaft im DFKGT bereits ein erster wichtiger Schritt dafür sei.
Aufgrund der Personaleinsparungen gibt es im Augenblick nur noch einen Kunsttherapeut in der ganzen Klinik. Vor 1,5 Jahren waren es noch 5 Kunsttherapeut:innen, davon waren 4 im DFKGT organisiert, beschreiben unsere Kollegin und Breuer die aktuelle Situation. Diejenigen, die sich in Probezeit befinden, halten sich natürlich im Streikgeschehen des Arbeitskampfes zurück. „Dank der Unterstützung von ver.di gibt es mittlerweile auch eine breite Berichterstattung in den Medien“, freuen sich beide.
An der Helios Klinik Zehlendorf (Emil von Behring) ist die Situation eine andere – hier haben die Therapeut:innen Konzerntarifverträge. Die Einsparungsmaßnahmen haben viele Kliniken versucht, auch die Charité, diese haben davon jedoch wieder Abstand genommen. Die aktuellen Verhandlungen laufen zäh mit wenig Zugeständnissen von Seiten Helios Buch. „Diese Woche sind wir zum vierten Mal seit Dezember im Streik. Unterstützt werden wir durch ver.di. Bisherige Tarifangebote von Seiten des Arbeitgebers waren vollkommen ungenügend und wurden entsprechend abgelehnt“, zieht Manuel Breuer eine Zwischenbilanz.
Inzwischen ist die Streikgruppe vom Warnstreik in den Erzwingungsstreik gewechselt, was ver.di unterstützt und von solidarischen Kolleg:innen mit getragen wird. Bislang hat sich Helios nur auf eine Lohnsteigerung eingelassen, die 1% der bisherigen 45%-igen Lücke im Lohn füllen würde.
Bereits vor 10 Jahren hatte der DFKGT Informationen zur Situation am Helios Klinikum Buch bekommen. Damals ging es auch zusätzlich darum, externe Patient:innen versorgen zu können. Es wurde ein Konstrukt gesucht, wie Kunsttherapeut:innen diese ambulante Leistung eigenverantwortlich bearbeiten und abrechnen können. Danach gab es keinen Kontakt mehr.
Der DFKGT unterstützt die Kolleg:innen in der Kunsttherapie mit einem Schreiben an die Klinikleitung sowie Geschäftsführung des Helios Klinikums Buch, um die Streikforderungen zu unterstützen. Der berufspolitische Einsatz für qualifikationsentsprechende Arbeitsbedingungen ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des DFKGT.
Presseberichte/ weitere Infos:
Instagramprofil der Streikgruppe: @hto.therapeuten.berlin
Helios Klinikum Berlin Buch: Therapeuten streiken für mehr Lohn (Berliner Zeitung, 06.01.2025)
Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn. Helios-Therapeuten aus Buch streiken drei Tage lang (tagesspiegel, 06.01.2025)
Helios: Streik gegen “Lohnmauer” (Die Tageszeitung junge Welt, Ausgabe vom 09.01.2025)
Krankenversorgung (fast) ohne Therapie? / Erzwingungsstreik am Helios Klinikum Berlin Buch: Kundgebung, 19.05.2025 (Pressemitteilung von ver.di vom 19.05.2025)
Therapeut*innen am Helios-Klinikum Berlin Buch im Streik - aktuell kaum therapeutische Behandlung möglich (Pressemitteilung von ver.di vom 15.07.2025)