Abstract
Hintergrund:
Im Rahmen der Dekade des gesunden Alterns (2021–2030) initiierte das DUERER-Studienteam eine internationale Filmkampagne mit dem kunsttherapeutischen Kurzfilm The Mind’s Image. Ziel war es, Kunsttherapie als wirksame Intervention im Alter sichtbarer zu machen sowie einen internationalen Austausch zu eröffnen.
Methode:
Von November 2023 bis Februar 2024 wurde eine explorative Online-Umfrage mit (angehenden) Kunsttherapeut:innen durchgeführt. Teilnehmende sahen den Film und füllten anschließend einen standardisierten Fragebogen über Netigate aus. Diese Daten wurden quantitativ-deskriptiv sowie qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewertet.
Ergebnisse:
Der Film wurde 1.484-mal aufgerufen,168 der Teilnehmenden schlossen die Umfrage ab. Diese stammten überwiegend aus Europa und waren mehrheitlich praktizierende Kunsttherapeut:innen (80 %) mit 4–10 Jahren Berufserfahrung. 58 % gaben an, dass Kunsttherapie mit älteren Menschen in ihrem Land wenig etabliert sei. Häufig genannte kunsttherapeutische Zielsetzungen mit älteren Menschen waren: Verbesserung des Wohlbefindens (19 %), Handlungsfähigkeit (18 %) und sozialer Interaktion (14 %).
Schlussfolgerung:
Die Filmkampagne zeigt ein hohes Interesse an kunsttherapeutischer Arbeit mit älteren Menschen. Audiovisuelle Medien wie The Mind’s Image besitzen ein starkes Potenzial für Wissensvernetzung und die Förderung eines kunsttherapeutischen Diskurses.
Hintergrund
Im Jahr 2020 haben die Vereinten Nationen die Dekade 2021–2030 zum „Jahrzehnt des gesunden Alterns“ erklärt (1). Ziel dieser Initiative ist es, durch Maßnahmen auf globaler, nationaler und lokaler Ebene die Lebensqualität älterer Menschen, ihrer Familien und Gemeinschaften zu verbessern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spielt dabei eine zentrale Rolle, indem sie gesundheitsfördernde Maßnahmen initiiert und unterstützt (2). Als kunsttherapeutischer Beitrag zur Umsetzung der Ziele dieser Dekade initiierte das interdisziplinäre DUERER-Studienteam eine internationale Filmkampagne auf Grundlage des dokumentarischen Kurzfilms The Mind’s Image. Dieser Film wurde im Rahmen der DUERER-Studienarbeit zur Forschungsthematik Kunsttherapie kennt kein Alter produziert.
Kunsttherapeutische Filmkampagne
Im Zeitraum vom 1. November 2023 bis zum 29. Februar 2024 führte das DUERER-Studienteam im Rahmen einer internationalen Filmkampagne eine explorative Online-Erhebung durch. Grundlage der Kampagne war der Kurzfilm The Mind’s Image.Die Filmkampagne richtete sich an ausgebildete sowie in Ausbildung/Studium befindliche Kunsttherapeut:innen weltweit. Diese wurden eingeladen, zuerst den Film anzusehen und im Anschluss eine standardisierte Online-Befragung auszufüllen. Zur internationalen Verbreitung der Kampagne kooperierte das DUERER-Studienteam mit einer Vielzahl kunsttherapeutischer Berufsverbände, Ausbildungsinstitute und Hochschulen. Die beteiligten Kooperationspartner erhielten Informationsmaterialien zur Weiterleitung an ihre Mitglieder, darunter Newsletter-Textbausteine, Zugangsdaten zur Filmplattform sowie ein Kampagne-Plakat zur Bewerbung.
Kurzfilm: The Mind´s Image
Das interdisziplinäre DUERER-Studienteam forscht seit 2017 zum Thema „Kunsttherapie kennt kein Alter“ (3). Im Zuge dieser Forschung entstand in Kooperation mit dem Dokumentarfilmer Daniel Asadi-Faezi der essayistische Kurzfilm The Mind’s Image (4). Dieser Film zeigt Kunsttherapie im Rahmen einer Studie in einer Langzeitpflegeeinrichtung. Der essayistische Kurzfilm thematisiert das Älterwerden, Ressourcen älterer Menschen und Kunsttherapie als nicht-medikamentöse Therapieform für diese Altersklasse. The Mind’s Image liegt in deutscher Sprache mit englischen Untertiteln vor und ist kostenfrei über die Plattform Vimeo zugänglich (5). Der Film dient sowohl als Dokumentationsinstrument als auch als Impulsgeber für einen fachspezifischen Diskurs.
Explorative Umfrage
Basierend auf diesem dokumentarischen Kurzfilm wurde ein standardisierter Fragebogen in englischer Sprache entwickelt und pilotisiert. Der Pretest mit einer kleinen Stichprobe ergab eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von etwa fünf Minuten.
Der Fragebogen umfasste insgesamt 19 Items und wurde zur digitalen Durchführung auf der Plattform Netigate implementiert (6). Die Umfrage erhob sowohl soziodemografische Basisdaten (z. B. Alter, beruflicher Status) als auch kunsttherapeutische Erfahrung der Teilnehmenden. Darüber hinaus wurden Einschätzungen zur inhaltlichen Wirkung des Films auf die subjektive Wahrnehmung von Kunsttherapie mit älteren Menschen erfasst. Weitere Items bezogen sich auf das Medium Film selbst als didaktisches oder forschungsunterstützendes Kommunikationsinstrument im Kontext kunsttherapeutischer Praxis. Die geschlossenen Fragen wurden überwiegend als bipolare Antwortformate (z. B. Zustimmung/Ablehnung) oder mithilfe einer vierstufigen Likert-Skala umgesetzt (not at all/somewhat/quite /very). Ergänzend wurde eine offene Frage formuliert, die auf Basis des gezeigten Films individuelle kunsttherapeutische Zielsetzungen im Umgang mit älteren Klient:innen ermittelte. Am Ende stand erneut eine offene Frage für ein individuelles Feedback. Zum Abschluss der Umfrage wurden die Teilnehmenden über Datenschutzbestimmungen informiert.
Der Zugang zur Online-Befragung wurde über einen anklickbaren Link direkt unterhalb des Films bereitgestellt, um einen unmittelbaren Übergang vom Film schauen zur Befragung zu ermöglichen.
Auswertung
Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte unter Anwendung quantitativer und qualitativer Verfahren. Für die deskriptive Analyse der geschlossenen Fragen wurde Microsoft Excel verwendet. Dabei wurden Häufigkeiten, Prozentwerte sowie Mittelwerte und Verteilungen berechnet, um die Einschätzungen der Teilnehmenden hinsichtlich ihrer kunsttherapeutischen Expertise, der Wirkung des Films sowie der Bewertung des Mediums Film als Kommunikationsinstrument darzustellen.
Die offenen Textantworten wurden einer qualitativen Inhaltsanalyse nach dem Ansatz von Mayring durchgeführt (7). Hierfür wurden die Rückmeldungen zunächst paraphrasiert, anschließend kategorisiert und schließlich in inhaltlich sinnvolle Oberkategorien überführt. Die Kategorienbildung erfolgte induktiv, orientiert an wiederkehrenden Themen und Formulierungen in den Antworten. Ziel dieses Vorgehens war es, zentrale kunsttherapeutische Zielsetzungen mit älteren Menschen, strukturiert herauszuarbeiten.
Ergebnisse
Der Film wurde im Zeitraum 1.484-mal angeklickt. 239 Teilnehmende haben die Umfrage begonnen und 71% (N=168) diese abgeschlossen sowie der Nutzung eingewilligt. Ein Drittel der Teilnehmenden ist zwischen 46 und 55 Jahre alt, 23% sind zwischen 56 und 65 Jahre alt. Über ein Drittel (37,5%) ist jünger als 45 Jahre, wie Tabelle 1 zeigt.
Age | % |
< 18 years | 0,0 |
19 - 25 years | 2,4 |
26 - 35 years | 16,1 |
36 - 45 years | 19,0 |
46 - 55 years | 33,3 |
56 - 65 years | 23,2 |
> 66 years | 6,0 |
Total | 100,0 |
Tabelle 1: Prozentuale Altersverteilung der Teilnehmenden
Die aktuelle Tätigkeit der Teilnehmenden im Feld der Kunsttherapie verteilte sich wie folgt (Mehrfachnennungen möglich): 80% sind praktizierend tätig, 17% arbeiten in der Lehre, 16% sind wissenschaftlich aktiv, 15% befinden sich im Studium und 2% sind im Ruhestand.
Bezüglich der kunsttherapeutischen Ausbildungsabschlüsse verfügten 13% über ein Zertifikat, 23% über einen Diplomabschluss, 1 % über einen Bachelorabschluss, 40 % über einen Masterabschluss und 2% über eine Promotion (PhD). Weitere 11% befinden sich aktuell in Ausbildung oder Studium.
Ein Großteil der Teilnehmenden hat sein Studium/Ausbildung in Deutschland absolviert (31%), gefolgt von Spanien (13%) und Italien (12%). Diese Länderverteilung spiegelt sich auch in den Ländern wider, in denen die Teilnehmenden aktuell kunsttherapeutisch tätig sind. Aus den erhobenen Daten ergibt sich insgesamt eine breite geografische Streuung in beiden Bereichen, wie Tabelle 2 zusammenfasst.
| In which country did you study or complete your training/studies in Art Therapy? | % | In which country are you currently working? | % |
Australia | 3,0 | Australia | 3,0 |
Austria | 0,6 | Austria | 0,6 |
Belgium | 1,2 | Belgium | 1,8 |
Canada | 1,2 | Canada | 0,6 |
Croatia | 0,6 | Colombia | 0,6 |
Czech Republic | 1,2 | Croatia | 0,6 |
Estonia | 1,2 | Cyprus | 0,6 |
France | 3,6 | Estonia | 1,2 |
Germany | 31,6 | France | 4,2 |
Greece | 0,6 | Germany | 23,2 |
Hungary | 1,2 | Greece | 0,6 |
Ireland | 0,6 | Hungary | 1,2 |
Italy | 11,9 | Ireland | 0,6 |
Latvia | 2,4 | Iceland | 1,2 |
Lithuania | 1,2 | Italy | 12,5 |
New Zealand | 0,6 | Latvia | 1,8 |
Romania | 1,2 | Lithuania | 1,2 |
Singapore | 2,4 | Luxembourg | 1,8 |
Slovakia | 2,4 | New Zealand | 0,6 |
Slovenia | 1,2 | Panama | 0,6 |
Spain | 13,0 | Romania | 1,8 |
Switzerland | 4,7 | Singapore | 2,4 |
The Netherlands | 1,2 | Slovakia | 4,2 |
United Kingdom | 4,7 | Slovenia | 0,6 |
United States of America | 1,8 | Spain | 12,9 |
2-3 training countries | 4,7 | Switzerland | 6,5 |
Total | 100,0 | United Kingdom | 1,8 |
2-3 work countries or online therapy | 1,8 | ||
| I’m still studying | 9,5 | |
|
| Total | 100,0 |
Tabelle 2: Prozentuale Länderverteilung
Der größte Anteil der Teilnehmenden verfügte über 4–10 Jahre Berufserfahrung (34 %). 15% befinden sich im Studium bzw. in der Ausbildung oder haben weniger als ein Jahr Berufserfahrung. 22% gaben an, bis zu drei Jahre Berufserfahrung zu haben, 17% verfügen über 11–19 Jahre Erfahrung, und 12% haben mehr als 20 Jahre Berufserfahrung.
Zur wissenschaftlichen Tätigkeit im Bereich der Kunsttherapie (Mehrfachnennungen möglich) gaben 31% an, während ihres Studiums forschend tätig gewesen zu sein. 21% waren bereits als praktizierende Kunsttherapeut:innen in Forschungsprojekte eingebunden. 49% haben bisher nicht in der Forschung mitgewirkt, und 4% engagieren sich in einem anderen forschungsbezogenen Zusammenhang.
Bezogen auf die kunsttherapeutischen Arbeitsfelder mit älteren Menschen (Mehrfachnennungen möglich) zeigt sich eine breite Streuung, wie Abbildung 1 zusammenfasst.
19% der Teilnehmenden haben im Rahmen ihres Studiums bzw. ihrer Ausbildung mit älteren Menschen gearbeitet. 17% der Teilnehmenden sind kunsttherapeutisch in der Langzeitpflege tätig.
28% der Befragten geben an, dass die kunsttherapeutische Arbeit mit älteren Menschen kein Thema in ihrer Ausbildung/Studium war. Bei einem Großteil hingegen war das Thema zumindest teilweise integriert: 47% stufen es mit „etwas“, 15% mit „ziemlich“ und 10% mit „sehr“ ein.
58% der Teilnehmenden geben an, dass die kunsttherapeutische Arbeit mit älteren Menschen in ihrem Land „etwas“ geläufig sei; bei weiteren 11% ist sie „gar nicht geläufig“. Im Gegensatz dazu stuften 25% sie als „ziemlich geläufig“ und 6% als „sehr geläufig“ ein.
Film als wissenschaftliches Medium
In Bezug auf die filmbezogenen Fragestellungen zeigte sich folgendes Bild: Ein Großteil der Teilnehmenden kann sich vorstellen, kunsttherapeutisch mit älteren Menschen zu arbeiten, wobei 23% dies als „ziemlich wahrscheinlich“ und 33% als „sehr wahrscheinlich“ einschätzten. Ein kleiner Anteil der Teilnehmenden gab an, dies nicht zu können, mit 10% bei „etwas“ und 1% bei „nicht“. Zudem waren 33% der Teilnehmenden bereits im Bereich der kunsttherapeutischen Arbeit mit älteren Menschen tätig.
Bezüglich der Übertragbarkeit praktischer Informationen aus dem Film auf den eigenen Arbeitsbereich stimmten 38% der Teilnehmenden „ziemlich“ und 36% „sehr“ zu. Demgegenüber gaben 24% an, nur „etwas“ übertragen zu können, und 2% sehen keine Übertragungsmöglichkeit.
Was die Weiterempfehlung des Films The Mind’s Image betrifft, so würde die Mehrheit der Teilnehmenden den Film ihren Kolleginnen und Kollegen weiterempfehlen, wobei 21% dies als „etwas“ und 68% als „sehr“ tun. Eine Minderheit (2%) würde den Film nicht weiterempfehlen, während 9% angaben, diesen nur „etwas“ weiterzuempfehlen.
Kategorien
Ausgehend von der Fragestellung, drei kunsttherapeutische Zielsetzungen in der Arbeit mit älteren Menschen zu benennen, konnten insgesamt zwölf zentrale Kategorien identifiziert werden. Diese Hauptkategorien wurden anhand ihrer prozentualen Verteilung in der Abbildung 2 dargestellt.
Die am häufigsten genannten kunsttherapeutischen Zielsetzungen mit älteren Menschen ab 65 Jahren sind die „Verbesserung des Wohlbefindens“, welche von 19% der Teilnehmenden genannt wird, gefolgt von der „Verbesserung der Handlungsfähigkeit“ mit 18%. An dritter Stelle steht die „Förderung der sozialen Interaktion“, die von 14% der Befragten benannt wurde.
Feedback zum Film
61% der Teilnehmenden gaben ein individuelles Feedback am Ende der Umfrage an. 96% dieser Rückmeldungen sind positiv, 2% neutral nachfragend und 2% negativ einzuordnen.
Thanks for making the work with eledrly people more visible. - Danke, dass Sie die Arbeit mit älteren Menschen sichtbarer machen.
The film made me reconect with the will of keeping researching in art therapy. - Der Film hat mich darin bestärkt, weiter in der Kunsttherapie zu forschen.
I strongly believe that information about the benefits of art therapy in elderly people should be shared more, in order to increase access to this form of therapy. - Ich bin der festen Überzeugung, dass Informationen über die Vorteile der Kunsttherapie bei älteren Menschen stärker verbreitet werden sollten, um den Zugang zu dieser Therapieform zu verbessern.
I consider it an essential topic in a world with growing aging population and deem exchange of expert knowledge very important. - Ich halte dies für ein wichtiges Thema in einer Welt mit einer immer älter werdenden Bevölkerung und halte den Austausch von Fachwissen für sehr wichtig.
L'Arteterapia non ha eta', non ha confini, crea prospettive infinite, stimola potentemente la creativita' che ci aiuta a trovare strade nuove e inaspettate per la soluzione dei problemi e l' accettazione dei propri limiti - Kunsttherapie kennt kein Alter, keine Grenzen, sie schafft unendliche Perspektiven, stimuliert kraftvolle Kreativität, die uns hilft, neue und unerwartete Wege zu finden zur Problemlösung und zum Akzeptieren der eigenen Grenzen.
Zusammenfassung
Die hohe Klickzahl des Films (N=1484) zeigt ein Grundinteresse am Thema. Gleichzeitig deutet die Anzahl der Teilnehmenden an der Umfrage (N=168) auf Optimierungsbedarf hin: Der Umfragelink war offenbar für viele nicht leicht über den Film erreichbar, was eine beträchtliche Anzahl potenzieller Interessierter von einer Teilnahme abgehalten hat. Ein besser sichtbarer und direkter Zugang zur Umfrage hätte die Beteiligung vermutlich deutlich erhöht. Die geringe Anzahl an Umfrageteilnehmenden sowie der hohe Ausschluss von Personen (u. a. wegen fehlender Finalisierung oder Zustimmung zur Datennutzung) resultierten in einer kleinen Stichprobe (8). Zukünftige Umfragen sollten auf einfachere Teilnahmemodalitäten achten und gegebenenfalls auch mehrsprachig gestaltet werden.
Ein Großteil des Feedbacks stammt aus Europa, insbesondere aus Deutschland, Spanien und Italien. Dies zeigt eine geografische Konzentration. Für global gültige Aussagen ist eine breitere internationale Streuung notwendig. Hinzu kommt, dass die fehlende Einheitlichkeit der Ausbildungswege sowie die Unterschiede in den nationalen Gesundheitssystemen die internationale Vergleichbarkeit erschweren.
Die Mehrheit der Teilnehmenden sind praktizierende Kunsttherapeut:innen mit 4–10 Jahren Berufserfahrung (34%), überwiegend mit einem Masterabschluss (40%), lediglich 2% verfügen über einen PhD. Zwar waren viele Teilnehmende im Studium forschend tätig (31%), aktuell ist aber nur ein kleiner Teil (16%) forschend aktiv. Dies zeigt eine Lücke zwischen Ausbildung und Forschungspraxis. Der hohe Praxisanteil – 68% haben Erfahrung in der Arbeit mit älteren Menschen – deutet auf eine starke Anwendungsnähe hin. Gleichzeitig wird die kunsttherapeutische Arbeit mit älteren Menschen nur von 58% als im eigenen Land „etwas geläufig“ eingeschätzt. 17 % der Befragten arbeiten in Langzeitpflegeeinrichtungen. Hier besteht ein großer Bedarf an Sichtbarmachung sowie an einer systematischen Integration in die Gesundheitssysteme. Studien könnten dazu beitragen, vorhandene Potenziale aufzuzeigen und politische Veränderungen anzustoßen. Interessanterweise zeigen die Daten, dass 47% der Befragten angeben, dass kunsttherapeutische Arbeit mit älteren Menschen im Studium oder in der Ausbildung nur in geringem Maße behandelt wurde. Gleichzeitig gaben 28% an, dass dieses Thema überhaupt nicht behandelt wurde. Das bedeutet, dass etwa drei Viertel der Teilnehmenden nur wenig bis gar keine Inhalte zu dem Themenkomplex Kunsttherapie mit älteren Menschen erhalten haben. Das eröffnet natürlich ein deutliches Optimierungspotenzial. Eine gezieltere Integration dieser Inhalte in die Curricula könnte sowohl das Forschungsinteresse fördern als auch den Praxisbezug stärken. Das 2024 veröffentlichte kompetenzbasierte Basiscurriculum für die kunsttherapeutische Arbeit mit älteren Menschen bietet hier wichtige Impulse. Es wurde auf Grundlage eines Konsenses mit interdisziplinären Mitwirkenden in Deutschland entwickelt (9).
Der Film The Mind´s Image wurde von 98% der Teilnehmenden als geeignetes Medium für die kunsttherapeutische Forschung bewertet. Die Stärke des Medium Films liegt vermutlich in der sprachübergreifenden Wissensvermittlung – eine große Chance, um Inhalte international zu verbreiten und komplexe Themen visuell verständlich zu machen.
Fazit
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen einen Bedarf an verstärkter Sensibilisierung für die kunsttherapeutische Arbeit mit älteren Menschen. Sie legen nahe, dass spezifische Herausforderungen und Potenziale dieser Zielgruppe noch nicht ausreichend in der Ausbildung berücksichtig werden. Dies gewinnt gerade im aktuellen Jahrzehnt des gesunden Alterns zunehmend an Bedeutung. Insbesondere der Einsatz audiovisueller Medien könnte zukünftig eine bedeutendere Rolle spielen, um Erkenntnisse praxisnah zu vermitteln sowie den Diskurs über kunsttherapeutische Ansätze insgesamt zu bereichern. Die Ergebnisse unterstreichen, dass Kunsttherapie in der Arbeit mit älteren Menschen ein vielseitiges Potenzial für die Stärkung der mentalen Gesundheit beitragen kann.
Literatur
1. UN Decade of Healthy Ageing – The Platform [Internet]. 2022 [zitiert 5. Juni 2025]. Verfügbar unter: www.decadeofhealthyageing.org
2. WHO’s work on the UN Decade of Healthy Ageing (2021-2030) [Internet]. 2025 [zitiert 5. Juni 2025]. Verfügbar unter: www.who.int/initiatives/decade-of-healthy-ageing
3. klinikum-nuernberg.de [Internet]. 2024 [zitiert 5. Juni 2025]. Duerer-V | NÜRNBERG. Verfügbar unter: www.klinikum-nuernberg.de/behandlung/altersmedizin/geriatrie/geriatrie-campus-nord-sued/kunsttherapie/duerer-v
4. Brons S, Masuch J, Asadi Faezi D, Del Palacio Lorenzo A, Antwerpen L, Singler K. Film als kunsttherapeutisches Forschungsinstrument? Eine kinematografisches Praxisbeispiel mit Onlineumfrage. In: Masuch J, Singler K, Herausgeber. Kunsttherapie: Chancen und Herausforderungen der Forschung. Frankfurt am Main: Mabuse-Verlag; 2024. (Mabuse-Verlag Wissenschaft).
5. Vimeo [Internet]. [zitiert 5. Juni 2025]. Vimeo AI-Powered Video Platform. Verfügbar unter: vimeo.com
6. Netigate Deutschland GmbH. Netigate. 2021 [zitiert 9. Mai 2023]. Netigate Feedback-Management-Lösungen. Verfügbar unter: www.netigate.net/de/feedback-management-loesungen/
7. Mayring P. Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken. 13., überarbeitete Auflage. Weinheim Basel: Beltz; 2022. 148 S.
8. SurveyMonkey [Internet]. 2025 [zitiert 5. Juni 2025]. Vor – und Nachteile einer Online-Befragung. Verfügbar unter: de.surveymonkey.com/mp/vor-und-nachteile-einer-online-befragung/
9. Masuch J, Antwerpen L, Brons S, Gruber H, Hamberger C, Seifert K, u. a. Development of a Curriculum of Basic Competences for Art Therapy With Older People. Art Ther. 2024;42(1):4–13.