Am 10.10.25 – dem Welttag für Seelische Gesundheit / „World Mental Health Day“ – fand zum 19. Mal in Berlin die Auftaktveranstaltung statt, die ich wie die Jahre zuvor besucht habe. Anliegen der Aktionswoche ist es, psychische Störungen und Erkrankungen zu entstigmatisieren und möglichst breit über Hilfsangebote zu informieren. Verschiedene Anbieter wie Kliniken, Praxen … laden bundesweit zu über 1.200 meist kostenlosen Veranstaltungen ein.
Erstmalig nahm das ZDF als Medienpartner teil. So gibt es im ZDF, 3sat und arte bis Ende Oktober noch eine Reihe von Sendungen, die sich mit dem Thema „Seelische Gesundheit“ befassen.
Eine Zusammenfassung des Abends finden Sie auch auf der Webseite des Aktionsbündnisses der Woche der Seelischen Gesundheit.
Schwerpunktthemen waren die Notwendigkeit einer besseren Suizidprävention, sowie die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die seit der Corona-Pandemie in jährlichen Befragungen der COPSY-Studie erhoben wird.
So wies der Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit / BMG Dr. Georg Kippels eindrücklich darauf hin, dass die Suizidrate in Deutschland die der Verkehrstoten mit ca. 10.300 gegenüber unter 3.000 Personen um mehr als das Dreifache übersteigt. „Wo sind die Sicherheitsgurte, die Kopfstützen und Airbags für seelische Gesundheit?!“, klagte er den Zustand in unserer Gesellschaft mit ungleichen Prioritäten an. Mit besonderem Fokus auf die Kinder und Jugendlichen meinte er, dass ca. 90 % die Welt als unberechenbar und sich selbst regelmäßig als ohnmächtig erlebten. 22 % dieser Personengruppe zeigten psychische Auffälligkeiten. Die häufigsten Erkrankungen seien Angststörungen, Depressionen, Essstörungen sowie Suchterkrankungen verschiedenster Art.
Insgesamt sollte mehr für Prävention getan werden. Dies wurde von allen einhellig betont. Das Projekt des Familienministeriums der Mental Health Coaches, die Schüler:innen in Schulen aufklären, sei nicht flächendeckend genug. Wie sich kohärente Selbstwirksamkeit und Resilienz in der Gehirnentwicklung junger Menschen auswirken, könne in neuronaler Bildgebung sichtbar gemacht werden.
Als positive Initiativen wurden „Irrsinnig menschlich e.V.“ mit Präventionsprogrammen für Schulen, Unis und Ausbildungsbetriebe und „YEP – Stimme der Jugend“, Mental Health Jugendbericht 2025 benannt. Außerdem gibt es im Urban-Krankenhaus in Berlin mit „Soul space“ ein vorklinisches Gesprächsangebot für junge Menschen.
Alles in Allem war es wieder einmal eine Veranstaltung der Etablierten mit hierarchischer Ordnung: oben auf dem Podium die „Expert:innen“, unten „das Publikum, das am Ende ein paar Fragen stellen durfte“. Die sog. „Betroffenen“ – insbesondere von der Psychiatrie – und deren Angehörige hatten in dem Ganzen keinen wirklichen Platz, obwohl das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit auf seiner Webseite hervorhebt, „trialogisch“ organisiert zu sein. Konzepte der offenen Psychiatrie waren vortragenden Experten nicht bekannt. Zwei kritische Stimmen wurden aus der Zuhörerschaft vorgebracht, dann ging man wieder zur Tagesordnung über. Das war früher schon mal etwas anders, ist jedoch jedes Mal ein Spannungsmoment.
Auch die draußen vor der Tür trommelnden Musikanten werden nicht erwähnt.
Im anschließenden Get-together führte ich noch zahlreiche Gespräche mit den Politikern und Fachleuten über die Wichtigkeit der Künstlerischen Therapien, insbesondere der Kunsttherapie, die noch immer um ihre Anerkennung kämpfen muss.
zuerst veröffentlicht am 13.10.25 auf https://kreativundheilsam.wordpress.com
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